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WEIßT DU NOCH... ?
Damals, als wir die ersten Boards gebaut haben? Wir hatten Werner in den Wellen von Canos kennengelernt. Er hat uns das Foto von Tom Sims mit seinem Schnee-Wellenreiter in dieser Ami-Surfzeitschrift gezeigt. Damals war uns noch nicht klar, daß das die Zukunft bedeutet.
Das ist nun schon verdammte 20 Jahre her! Seitdem ist viel passiert und nebenbei sind wir alle ein Stück älter geworden.
Zwar haben wir bis jetzt noch nie eine Pauschalreise gebucht oder ein Auto besessen, das jünger als 10 Jahre war, aber der Luxus hat uns trotzdem eingeholt.
Schluß mit den Zeiten, in denen wir noch mit unseren Schneebrettern in die Alpen getrampt sind. Kein Fahrer würde mehr fragen, was das für komische Dinger sind. Selten sind die Nächte geworden, in denen wir am Gletscher biwakieren oder auf der Ladepritsche des VW-Bus schlafen. Auch die Mahlzeiten, die wir uns aus den stehengelassenen Tellern im Gletscherrestaurant zusammengestellt haben sind Schnee von Gestern. Wir stehen nicht mehr morgens vor der Rot-Kreuz-Station oder mittags auf dem Parkplatz um auf Leute zu warten, die uns Ihre Liftkarte für 5DM weiterverkaufen und abends in der Bar stehen wir nicht mehr auf der falschen Seite des Tresen um uns über Wasser zu halten.
Viel zu schnell waren sie vorbei, die wilden Jahre von 83-87 aber für uns und die kleine Gemeinde unserer damaligen Weggefährten bleibt sie unauslöschlich in Erinnerung, es waren die Sixties des Snowboardsports. Zu dieser Zeit waren wir noch nirgends eingruppiert, es gab noch keine Snowboard-Schublade und man ließ uns noch in Ehrfurcht vor unseren finnenbestückten Höllenapparaten die Lifte benutzen. Nach der ersten WM in St.Moritz 1986 und der ersten EM in Chatel 1987 wurde der Sport -zwar viel belächelt-, aber doch so langsam bekannt. Ende der 80er kam dann die erste Welle der Snowboard-Einsteiger und fiel aus den Schleppliften. Jetzt wurde die Snowboard-Schublade in den Köpfen der Liftbetreiber geöffnet. Auch die Skiindustrie begann uns als Bedrohung zu sehen. Es wurde begonnen, Lager zu gruppieren und Vorurteile zu schüren. Den Boardern wurde der Zutritt zu die Liftanlagen verweigert und in den Skimagazinen schrieben selbsternannte Gesundheitsgurus und Winkeladvokaten haarsträubende Berichte über das neue Spezialgebiet "Snowboardunfälle".
Anfang der 90er begann die unvermeidliche Massenvermarktung unseres Sportes. Die Liftbetreiber erkannten, daß fast alle jüngeren Wintersportler nichts mehr vom Skifahren wissen wollten. Die Liftverbote wurden schnell revidiert. Nur die verknöcherten Strukturen der Skiverbände brauchten etwas länger um zu erkennen, daß ihnen die Felle wegschwimmen. Der Frust unter den Pionieren war groß darüber, daß aus aus ihrem fabelhaften Sport nun ein ModeKackeTrendFashionLifestyle-KurzlebigeOberscheißeBlaBlaKaugummiMitGefühlsechtemSchokoladenüberzugUnd-Sahnehäubchen gemacht werden sollte. Du weißt genau, wie schwer das immer war zu erklären, warum wir Snowboarden, wenn uns jemand danach fragte. Es macht tierisch Spaß, aber das mußt Du einfach selbst probieren, war die beste Antwort. Heute hörst Du von vielen die traurige Antwort, daß sie boarden, weil es "IN" ist. Aber wir können uns damit trösten, daß alles was "HIP" ist mit Sicherheit morgen schon wieder "OUT" ist. Es muß nur eine neue "MODE" her! Dann wird es wieder ruhig um's Boarden und die Welt ist wieder in Ordnung.
Wie in den Sixties von Jim Morrison wollten wir damals die Welt verbessern, und wenn ich mir anschaue, was aus den Weltverbesserern der Woodstock-Ära und denen der Snowboard-Pionierzeit geworden ist, dann gibt es lustige Parallelen. Vielleicht haben wir inzwischen kapiert, daß wir sie gar nicht ändern müssen, weil sie auch so einfach geil ist!
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